Die Geschichte des Fotos
„In der Dämmerung schreite ich durch Varanasis enge Gassen. Von Weitem sind die feinen, metallisch klingenden Klänge der Glöckchen zu hören. Tiefe, in die Länge gezogene Hornsignale übertönen diese gelegentlich.
Ich habe meinen Wecker gestellt, um vor dem Morgengrauen aufzustehen und die Klänge weisen mir den Weg zu den Ghats. Ich habe mir fest vorgenommen, auf den breiten, staubigen Steintreppen, am Ufer des Ganges sitzend, die Sonne zu begrüßen. Je näher ich dem Ganges komme, desto lauter werden die Stimmen der Menschen, bis ich um die letzte Steinmauer schreite und den ungehinderten Blick auf das heilige Wasser werfe.
Nun sehe ich auch, woher die Klänge kommen; Gläubige baden im Wasser und führen religiöse Rituale durch, während Priester in Begleitung der Klänge Gebete aufsagen. Fasziniert von den Bildern vor mir, gehe ich langsam die Treppe runter, blicke dabei auf die Szenen vor mir und beobachte, wie eine Frau, gekleidet in einem Sari in den Farben des Sonnenaufgangs, ihre Hand ausstreckt, die terrakottafarbene Wand berührt und den Blick auf das Wasser richtet. Auch sie scheint von der Szene vor ihr fasziniert zu sein.
Ich stehe direkt hinter ihr, richte meine Kamera auf sie und rücke meine Bildkomposition zurecht; links ist ein Mann auf einem Holzboot zu sehen, während rechts von mir ein Gläubiger mit seinen Händen das heilige Wasser berührt und seinen Körper damit reinigt. Einmal, zweimal, dreimal drücke ich auf den Auslöser und halte das Geschehen für die Ewigkeit fest. Als die Frau ihren Kopf zur Seite bewegt, entsteht dieses Foto.“
